Home
Zu Meiner Person
The Field Service
Praxis für Osteopathie
Was ist Osteopathie?
Die ausführliche Fassung
Vorgehensweise
Teilgebiete der Osteopathie
Behandlungstechniken
Zusammenspiel des Gesamtorganismus
Anwendungsbereiche
Säuglinge & Kinder
Wie finde ich (m)einen Osteopathen
Kosten
Informationen
Seminare und Termine
Über "Ganzheitlichkeit"
Blick nach vorne
Impressum
     
 

Hier also die ausführlichere Fassung

In einem renommierten medizinischen Lexikon finden sie dazu folgendes: Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 253. Auflage, 1977:

Osteopathie ; (Pathos - Leiden)

1. Knochenkrankheit.

2. (Still, Arzt, USA, 1874). System, Störungen der Struktur an Wirbelsäule und Gliedmaßen und dadurch entstandene Störungen der Funktion (Osteopathische Läsion) durch andgriffe zu behandeln. 

Bei der Osteopathie handelt es sich also nicht um eine Knochenkrankheit, sondern um eine Richtung der  Medizin. Sie wurde von dem US-amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts begründet. Dr. Still war mit den Ergebnissen und der Arbeitsweise der zeitgenössischen Medizin nicht mehr zufrieden. Er war der Meinung, daß viele Medikamente und viele, oft unnötige Operationen nicht selten nur ein Ersatz waren für zu geringe Kenntnisse der Zusammenhänge menschlichen Lebens und damit oft nur Ausdruck der Hilflosigkeit von Arzt und Patient. Er ging davon aus, daß "Gott den Menschen so gut geschaffen hat, daß man weder etwas hinzuzufügen, noch etwas wegzunehmen braucht." 

Dr. Still hielt es für besser, anhand gründlicher Kenntnisse von Anatomie und Physiologie mit den Patienten zu arbeiten und dem Organismus durch Verbessern der Durchblutung und durch Befreiung der inneren Selbstheilungskräfte ein besseres Funktionieren zu ermöglichen. Er sah im Osteopathen also eine Art Mechaniker, dessen Aufgabe es ist, den Organismus gewissenhaft zu warten, und dem Ingenieur (Gott) nicht an seiner Kreation herumzupfuschen. Diese bescheidene Haltung gegenüber der Schöpfung und der Respekt vor den selbstregulierenden Kräften der Natur ist ein wichtiger Bestandteil der Philosophie, die untrennbar mit dem Begriff Osteopathie verbunden ist. 

Dr. Still faßte seine Ideen in vier Grundprinzipien zusammen:

1.
Der menschliche Körper funktioniert als Einheit.
2. Der Körper verfügt über selbstheilende Mechanismen. (Heute würde man dies als Immunsystem und Erhaltung des biologischen Gleichgewichts (Homoeostasie) bezeichnen.
3. Struktur und Funktion stehen in Wechselbeziehung zueinander.
4. Abnormer Druck oder eine Spannung in einem Teil des Körpers produzieren abnormalen Druck und Spannungsphänomene in einem anderen Teil des Körpers (Siehe 1).   
   
Medikamente lehnte er ab, eine in Kenntnis der damaligen Zeit leicht verständliche Haltung. Und auch heute ist deren Einsatz eine Entscheidung, die vielen verschiedenen Faktoren unterliegt, aber die sicherlich nicht nur einer Symptomunterdrückung dienen darf. In der osteopathischen Behandlung sind Medikamente nicht der Schwerpunkt. 
    
Die medizinischen Fakten von Anatomie, Embryologie, Physiologie und so weiter sind selbstverständlich immer die gleichen. Aufgrund dieser Grundlagen arbeiten konventionelle Medizin und Osteopathie aber verschieden:
In der konventionellen Medizin sucht man die Heilmittel außen. Der Organismus an sich wird also nur indirekt behandelt.  In der Osteopathie suchen und finden wir die Heilmittel innen. Die Voraussetzungen des Patienten, sich selbst zu heilen, mit der gegebenen Situation besser umzugehen, sind das Ziel.

Eine der wichtigsten Grundlagen des Lebens ist die Bewegung/Beweglichkeit des Organismus. Bei seinen Patienten konnte Dr. Still regelmäßig Einschränkungen der Beweglichkeit der durch Krankheit betroffenen Gewebe (z. B. der Lungenbeweglichkeit bei Lungenentzündungen), aber auch Bewegungsverluste der Wirbelsäule (blockierte, "ausgerenkte" Wirbel) oder Einschränkungen des Schultergelenkes bei Schulterproblemen ertasten. Diese versuchte er in der Therapie wieder zu mobilisieren (beweglich zu machen), um durch eine Optimierung der arteriellen Durchblutung und des venösen und Iymphatischen Abtransports von Stoffwechselprodukten eine Selbstheilung zu ermöglichen.

So kam er zu dem Begriff Osteopathie: -os, der Knochen, als Hebel gegen -pathos, die Leiden (oder auch Leidenschaften)!

Durch den großen Erfolg seiner Methode kam es im Jahre 1894 zur Gründung der ersten Hochschule für Osteopathie in Kirksville, im US-Bundesstaat Missourie. Diese Universität besteht im vielfach erweiterten Rahmen noch heute. Durch zurückkehrende Immigranten gelangte die Osteopathie bald nach Europa. So kam es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Gründung einer Schule in England (British School of Osteopathy, 1913, sie besteht noch heute), später aus dieser hervorgehend in Frankreich und Belgien. Erst seit 1988 auch in Deutschland.
    Die Osteopathie ist also keinesfalls eine "neue Mode", sondern eine bewährte Behandlungsmethode mit wissenschaftlicher und philosophischer Tradition und ein integrierter und staatlich anerkannter Bestandteil des amerikanischen und britischen Gesundheitssystems (dort also ebenfalls Schulmedizin)
    Sie wurde zur Grundlage verschiedener Richtungen manualtherapeutischer Schulen. So war z.B. Palmer, der Begründer der Chiropraktik, ein Schüler Dr. Stills und auch die europäischen manualtherapeutischen Richtungen entstanden unter engem Kontakt zur Osteopathie, auch wenn dies heute viele Manualtherapeuten gerne vergessen möchten.

Es ist jedoch in diesem Zusammenhang notwendig, die Osteopathie von der Chiropraktik bzw. Chirotherapie, oder der Manuellen Therapie zu unterscheiden, weil sich diese Techniken immer nur auf Teilgebiete (meist im Bereich der Knochen, Muskeln und Gelenke) beschränken! Dadurch geht leider die Aufmerksamkeit für den ganzen Menschen verloren. Osteopath ist, wer nach osteopathischen Richtlinien arbeitet und nicht, wer ab und zu Techniken verwendet, die aus dem großen Baukasten der Osteopathie stammen. Wirklich  MIT dem Körper zu arbeiten, das Vertrauen zu finden, daß die eigene Heilung von innen her wirklich funktioniert (und vor allem extrem effektiv ist!), und auch beurteilen zu können, ob und wie das geschehen kann, das dauert einige Jahre der Ausbildung, Übung und des Sammelns von Erfahrung.

© 2002, M. Hirzig