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Die Grundlage der osteopathischen Arbeit ist, wie in der "klassischen" Medizin, eine möglichst genaue Kenntnis von Anatomie und Physiologie. Man macht diese allerdings zur Basis einer genauen palpatorischen Untersuchung (d. h. durch Tasten), die immer die Grundlage jeder Behandlung darstellt und aus der sich dann Diagnose und Therapie ergeben. Es kann also jeder Mensch nur individuell betrachtet und behandelt werden.
Wie fühlt  sich dieser Mensch heute an? Wie kann ich als Osteopath jetzt und heute damit umgehen? Wie schafft es dieser Mensch, die Symptome die er hat, zu produzieren? Wie bringt er seine Symptome zustande?  Was ist sein Nutzen davon? Denn jeder Mensch macht schon von sich aus das Beste aus seiner Situation, ist so gesund wie er kann. Welche Veränderungen darf der Osteopath vorschlagen, einleiten oder unterstützen, um die Funktionsweise zu verbessern, ohne die Selbstheilung zu stören? Und, niemals zu vergessen - der Patient macht die Arbeit, der Osteopath unterstützt nur den Organismus nach den Regeln der Kunst. Dabei wird der Organismus als Einheit begriffen, die man nicht in einzelne, voneinander unabhängige Einzelteile aufteilen und behandeln kann. Wenn in der Behandlung irgendwo im Körper eine Funktion  verbessert werden kann, dann hat sofort das gesamte Körper-System wieder mehr Potential, gesund zu sein oder zu werden. Neuere Forschungen über die Komplexität der Regelkreise im Organismus und über die hormonellen und neurovegetative Zusammenhänge, bestätigen diese Ansicht.


Die osteopathische Dysfunktion

Als Grundlage der Arbeit mit den Patienten dient der Begriff Osteopathische Dysfunktion/Läsion. Das bedeutet eine ertastbare Einschränkung der Beweglichkeit der Gewebe. »Dysfunktion« bedeutet eingeschränkte Funktion - im Zusammenhang mit dem Grundsatz der Osteopathie, daß sich Leben durch Bewegung ausdrückt (s.o.). So ist also ein Beweglichkeitsverlust auch gleichzeitig ein Zeichen für ein Nachlassen der das Leben erhaltenden Vorgänge, also z.B. des Stoffwechsels in diesem Bereich. Wenn also ein Muskel (oder auch ein inneres Organ!) seine spezielle, eigene Beweglichkeit verliert - dann wird es damit also auch Teile seiner Funktionalität verlieren! Das wären zum Beispiel Störungen der Atemfunktion bei der Lunge, gestörte Verdauungsvorgänge beim Magen oder hormonelle Veränderungen im Urogenital-Bereich.

   Im Gegensatz dazu steht die eher symptombezogene Diagnostik und Behandlung in der klassischen Medizin.     Am einfachsten ist dies wahrscheinlich im Bereich der Gelenke nachzuvollziehen, als sogenannte blockierte Gelenke der Wirbelsäule und Extremitäten. Aber in der Osteopathie wird dieser Begriff noch viel weiter ausgedehnt, z. B. auf innere Organe und deren freies Gleiten gegeneinander oder Spannungen von Blutgefäßen im Rahmen von Anpassungsreaktionen an Streß. Auch die Verarbeitung emotionaler Belastungen und deren Kompensation in komplexen Muskelverspannungen, die zu Haltungsveränderungen führen, gehört in diesen Bereich.

    Man spricht von primärer Dysfunktion, wenn eine Einschränkung der Beweglichkeit eines Gelenks oder verschiedener Gewebe entsteht, als Schutz gegen eine drohende Schädigung an dieser Stelle. Der sogenannte Hexenschuß
z. B. ist oft eine derartige Reaktion. Zum Schutz vor einer zu großen, verletzenden Bewegung, wird ein Wirbel reflektorisch blockiert und so in seiner weiteren Bewegung gehemmt.

    Eine sekundäre Dysfunktion entsteht als Anpassung an die bestehenden Bewegungseinschränkungen des Körpers. Jede primäre Dysfunktion (z. B. ein blockierter Wirbel) schränkt die in seiner Nachbarschaft liegenden, bzw. mit ihm funktionell verbundenen Bewegungsmöglichkeiten ein. Wenn also ein bestimmtes Problem immer wieder auftritt und nur kurzfristig gebessert werden kann, sollte man diese Art der Zusammenhänge auf jeden Fall bedenken. Es ist wenig sinnvoll, eine Behandlung im Bereich dieser sekundären Einschränkungen anzusetzen (da diese natürlich immer wieder neu auftreten werden), vielmehr sollte immer versucht werden, soweit wie möglich die primäre Dysfunktion zu mobilisieren.

    Ein Symptom entwickelt sich erst dann, wenn der Organismus nicht mehr in der Lage ist, die Gesamtheit der bestehenden Dysfunktionen/Belastungen zu kompensieren, oder, mit anderen Worten, sein inneres Gleichgewicht zu erhalten. So ist vielleicht auch verständlich, warum häufig Probleme auftreten, ohne daß der Betroffene eine konkrete Ursache als Auslöser finden kann. Viele kleine Einschränkungen, die man oft gar nicht miteinander in Zusammenhang bringt, summieren sich und bringen das "Faß zum Überlaufen". Die Kette der Kompensationsfähigkeit des Körpers reißt dann einfach an ihrem schwächsten Glied.

   Der Beginn von Symptomen ist also nicht der eigentliche Beginn einer "Krankheit", sondern immer das Ende einer langen Kette von Versuchen des Organismus, seine bestmögliche Funktion zu erhalten und bestehende Einschränkungen, gleich welcher Art (Blockierungen von Gelenken, emotionale Probleme, dauernder Streß, ungünstige Ernährung, usw.) möglichst ökonomisch zu kompensieren.

    Ganz wichtig ist hierbei zu verstehen, daß unser Körper permanent versucht, sein Gleichgewicht zu erhalten. Wenn ein Teil nicht mehr optimal funktioniert, dann versuchen andere Teile dies aufzufangen - zu kompensieren. Im Laufe unseres Lebens fließt also immer mehr Energie in diese Kompensationen und überlasten diese Bereiche, die ja eigentlich nur für etwas anderes arbeiten. Symptome treten deshalb sehr häufig gar nicht da auf, wo ein wirkliches Problem liegt, sondern in dem Bereich, der sich überanstrengen muß.

    Dabei ist es aus unserer Sicht wichtig, das eine bestimmte Art von Hierarchie in diesen Kompensationsmechanismen besteht! So werden bestimmte Bereiche des Organismus immer mit höchster Priorität geschützt. Diese sind an erster Stelle die lebenswichtigen inneren Organe, Gehirn, Atmung, Herz-Kreislauf, Verdauung, Fortpflanzung. Dem gegenüber hat der Bewegungsapparat und die Körperhaltung keine so wichtige Stellung. Viele Haltungsveränderungen, "Verspannungen" oder andere Symptome, auch Schmerzen, im Bereich des Bewegungsapparates sind somit oft nur Ausdruck eines Schutzes dieser vitalen Bereiche.

    Wir sind also in jedem Augenblick unseres Lebens im bestmöglichen Gesundheitszustand, den wir unter den gegebenen Umständen erreichen können - sei es mit oder ohne Symptome. Eine Veränderung der Symptome kann also immer nur mit einer Veränderung des Gesamtzustandes des Menschen einhergehen. Auch wenn wir glauben, es hätte sich nichts verändert, wenn Symptome erscheinen oder verschwinden - wenn unsere Sensibilität und unsere Aufmerksamkeit ausreichen, werden wir die Hintergründe fühlen können.

    Mit diesem Wissen ist es einem Patienten auch viel besser möglich, das Vorgehen des Osteopathen während einer Behandlung zu verstehen. Oft wird gar nicht im Bereich des Symptoms behandelt, sondern ganz woanders! Dies hat dann jedoch immer zum Ziel, den Problembereich im Rahmen der ganzen Körperfunktion zu entlasten - der Osteopath versucht, keine Krankheiten sondern den ganzen Menschen zu behandeln. Genauso würde niemand auf die Idee kommen, beim Aufleuchten der roten Ölkontrollampe an seinem Auto diese Lampe auszuschalten (symptomatische Behandlung!), sondern das Öl nachzufüllen (ursächliche Behandlung).

    Die Feststellung dieser Dysfunktionen setzt langes, intensives Training des Tastvermögens voraus. Mit differenzierten Techniken wird die Beweglichkeit der betroffenen Strukturen während der Behandlung gezielt verbessert und damit versucht, die Dysfunktion aufzulösen. Dadurch wird es dem behandelten Menschen möglich gemacht, sich selbst auf natürliche Art und Weise ins Gleichgewicht zu bringen und so eine ökonomischere Funktionsweise zu finden.
    Der Osteopath heilt also den Patienten nicht, sondern gibt diesem eine Chance, besser und ohne funktionelle Einschränkungen zu leben. Der Organismus als ökologisches System heilt sich selbst am besten und nachhaltigsten. Dies macht natürlich auch den Zeitaufwand für eine Behandlung verständlich, der, je nach Problem, meist zwischen 30 und 90 Minuten betragen kann, und der natürlich auch eine gewisse Zeit von ein paar Tagen oder Wochen nach einer Behandlung umfaßt, die der behandelte Mensch braucht, um eine neue, ökonomischere und komfortablere Art von Gleichgewichtszustand zu erreichen (man giesst ja auch nicht jeden Tag seine Blumen). Dies ist natürlich abhängig von der Art und der Dauer eines bestehenden Problems und kann nur im Einzelfall gesehen werden.
    Viele Symptome, die für den darunter leidenden scheinbar "ganz plötzlich" auftreten, haben oft eine lange Vorgeschichte in den Anpassungsversuchen des Körpers und können deshalb auch nur in einem länger dauernden Regenerationsprozeß verbessert werden, den der Osteopath unterstützen kann. Die Hauptarbeit leistet jedoch immer der Betroffene selbst. Entweder für ihn selbst fast unmerklich durch die selbstregulierenden Kräfte des Körpers während einer Behandlung und danach im Alltag, oder aber durch Änderung der den Organismus belastenden Dinge. Diese Änderungen sind ein nicht unerheblicher Teil der Behandlung! Denn viele Symptome zeichnen sich dadurch aus daß es schlimmer wird, je länger man abwartet und alles so weiter macht wie bisher. Das Problem tritt ja genau deswegen auf, weil alles so ist, wie es ist!

    Der Organismus wird in der osteopathischen Behandlung also rein handwerklich unterstützt, um den Griff zu Medikamenten oder Operationen, wenn möglich, zu vermeiden. Die Grundlage der Osteopathie ist also immer die eingehende Untersuchung durch Tasten, eventuell unterstützt durch andere Diagnose-Maßnahmen, z.B. Röntgen, Computer-Tomographie und die lange Palette der möglichen Testverfahren.

© 2002, M. Hirzig